Postkarten, Thailand
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Ayutthaya – Geschichte Hautnah

Wat Rakhang Ayutthaya

Ich bleibe am Kopf der liegenden Statue stehen und beginne diese mit gleichmäßigen und großzügigen Schritten abzugehen. „Eins, zwei, drei…“ Ich zähle leise im Kopf, während die Mittagssonne meinen Scheitel versengt. Der Stein der Statue ist fleckig und schnell vergesse ich die Zahlen, als ich mich in den Details verliere. Vierzig Meter lang und acht Meter hoch präsentiert sich der ruhende Buddha in einer entspannten Pose. Seine Lippen sind zu einem leichten Lächeln geschwungen, während er mit geschlossenen Augen auf seiner Hand und vier Lotusblüten ruht. Um ihn herum blühen die Kirschbäume und versprühen einen betörenden Geruch in der antiken Großstadt Ayutthaya.

Unsere Mitfahrer, die sich am frühen Morgen wie wir in der Khao San Road eingefunden hatten, vermischen sich mit den anderen Touristen vor Ort. Es ist Nebensaison in Thailand und uns begegnet lediglich eine überschaubare Anzahl an Urlaubern. Fast ungestört gehen wir zwischen den kopflosen Statuen hindurch, vorbei an meterhohen Chedi und hinein in schimmernde aktive Tempel.

Big lying Buddha in Ayutthaya

Liegende Buddha in Ayutthaya ↠ „Phra Buddha Sai Yat“ im Wat Lokaya Sutha

Die Anreise nach Ayutthaya

Die Luft ist schwer und schwül, als Colum und ich uns an diesem Morgen auf den Weg in die Khao San Road machen, dem Treffpunkt für den Tagestrip nach Ayutthaya. Der lange Rock reicht mir bis zu den Waden, fühlt sich schwer und warm an auf der Haut. Aus Respekt vor den religiösen Stätten des Landes ist eine entsprechende Bedeckung der Beine und Schultern jedoch unumgänglich, ganz unabhängig von der Wetterlage.

„You sit here.“ Eine Mitarbeiterin der Agentur verteilt die Touristen anhand der Tickets auf die bereitstehenden Minivans und innerhalb kürzester Zeit ist der Kleinbus bis auf den letzten Platz besetzt. Die anschließende eineinhalbstündige Fahrt bringt uns raus aus der Megacity Bangkok auf den Highway Richtung Norden. Unser Guide erklärt uns während der Fahrt den groben Überblick des Tages, zählt Namen von Tempeln auf, die ich zum Teil im Reiseführer schon einmal gelesen hatte. Andere widerum sind mir gänzlich unbekannt. Nach einiger Zeit verlassen wir die Schnellstraße in Richtung Ayutthaya. Schnell verändert sich die Landschaft und die Wohngegebenheiten der Menschen. Die Straßen sind eng und die kleinen Baracken der Bewohner bestehen zum größten Teil nur aus Wellblech, Holz und Plastikplanen. Man spürt die Beklommenheit des Publikums, während wir in klimatisierten Bussen für 900 Baht pro Person an der Wirklichkeit des Landes vorbeifahren.

Der Wat Phu Khao Thong

Ayutthaya war im Mittelalter eine glitzernde Metropole, die ihre zahlreichen Gäste – meist Händler aus allen Teilen der Welt – mit ihren bis zu 400 stolzen Tempeln in Erstauen versetzten. Heute erinnern restaurierte Überbleibsel, mächtige Türme und auch voll funktionsfähige Tempelanlagen an den einstiegen Ruhm der siamesischen Hauptstadt. Einen beeindruckenden Überblick bekommen wir auf der Spitze des Wat Phu Khao Thong, unserem ersten Halt im Nordwesten der Stadt außerhalb der historischen Altstadtinsel Ayutthayas.

Meine Haare kleben schon kurz nach dem Verlassen des klimatisierten Busses im Nacken. Ich sehe einen streunenden Hund, der hechelnd auf der Mauer im Schatten des Baumes liegt und kämpfe gegen den Drang an, mein Gesicht selbst gegen den kühlen Stein zu legen.  „Der Wat Phu Khao Thong, der goldene Bergtempel, ist ein Tempel aus dem 14. Jahrhundert,“ höre unseren Guide sagen. Ich entferne mich ein wenig von der Gruppe und starre auf das beeindruckende Fragment lebendiger Geschichte. Mehrmals wurde die Altstadt, die im 18. Jahrhundert mit der Eroberung Siams durch die Burmesen zerstört wurde aufwändig restauriert, zuletzt in den Achtzigern. Das Ergebnis ist wahrlich beeindruckend.

Wat Phu Khao Thong in Ayutthaya

Wat Phu Khao Thong in Ayutthaya

Ayutthaya war als Zentrum des Handels in Fernost eine aufgeschlossene Stadt, ihre Herrscher galten als brilliante Diplomaten. Über Jahrhunderte hinweg bildete sich dank ihrer Toleranz bezüglich anderer Kulturen und Religionen eine pulsierende, wirtschaftlich starke und internationale Gemeinschaft, bestehend aus bis zu 40 ethnischen Gruppen. So gab es neben den buddhistischen Tempeln sogar drei katholische Kirchen in der Stadt.

Der geschützte Tempelpark

Mit den Bussen fährt die Gruppe weiter in einen geschützen Parkabschnitt zum Wat Lokaya Sutha, einem zerstörten Tempel, dem die Historiker eine große Bedeutung zusprechen. Der riesige liegende Buddha erhebt sich unmittelbar vor uns, als wir aussteigen. Forscher datieren die Erbauung dieses Kunstwerks zurück ins frühe 17. Jahrhundert. Fasziniert betrachte ich das entspannte Gesicht des Phra Buddha Sai Yat, der mit geschlossenen Augen unter einer strahlenden orangenen Decke ruht, während Gläubige ehrfürchtig Blumen an einem kleinen Altar ablegen. Die kleine Miniatur des Buddhas ist übersäht mit Blattgold, dem erträglichen Geschäft der hiesigen Pilgerläden.

Prang des Wat Lokaya Sutha in Ayutthaya

Prang des Wat Lokaya Sutha in Ayutthaya

Hinter dem Phra Buddha Sai Yat ragt ein Prang in der Ferne empor, ein massiver Turm inmitten der weiten Tempelanlage des Wat Lokaya Sutha, von der lediglich die Fundamente bestehen geblieben sind. Die Sonne brennt auf uns runter, während wir die weite Fläche abgehen. Ich blicke links von mir über einen Kanal und sehe den Wat Worrachet Tharam, fast gänzlich umschlossen vom Wasser. Dieser buddhistische Tempel gilt als letzte Ruhestätte eines Familienmitglieds der königlichen Familie im frühen 17. Jahrhundert. Der glockenförmige Chedi hinter den Tempelruinen ist fast vollständig erhalten und wird flankiert von einer Buddhastatue, ebenfalls in ein orangleuchtenes Tuch gehüllt. Auch in der „Ubosot“ entdeckt man eine Buddhastatue, die über den heiligsten Ort dieses buddhistischen Tempels wacht.

Wat Worrachet Tharam

Wat Worrachet Tharam Ayutthaya

Wir folgen der kleinen Straße. Links und rechts vom Asphalt liegen Hunde träge im Schatten, einige von Ihnen in selbstgegrabenen Sandkuhlen. Sie nehmen kaum Notiz von uns, als wir zwischen ihnen hindurch zu den impulsanten Überresten des Wat Rakhang (Wat Worapho) gehen. Der kuppelförmige Schrein erscheint auf den ersten Blick wie ein abstraktes Gebilde. Von vier Seiten ist der Tempel von breiten Treppe gesäumt, die hoch zur Plattform führen. Die Seiten des Chedi sind mit mehreren Einkerbungen bearbeitet und geben dem Objekt seine surreale und interessante Form.

Wat Rakhang Ayutthaya

Wat Rakhang Ayutthaya


redented corners at Wat Rakhang Ayutthaya

Wat Rakhang Ayutthaya

Ich schaue mich um. Am Ende der Straße, gleich neben dem kleinen Tempel-Park, reihen Wohnhäuser aneinander. Hinter einem Zaun sehe ich ein TukTuk mit angeschlossenem Pancake-Ofen stehen, während auf einem der kleinen Balkone eine Hausfrau ihre Wäsche aufhängt. Langsam machen wir uns zurück auf den Weg zum Ausgangspunkt, wo sich unsere Gruppe am Van trifft.

Ihr wollt in meine Fußstapfen treten? Na, dann kommt mal mit und klickt hier (Weiterleitung zu Google Earth, Startpunkt ist der Wat Lokaya Sutha).

Im nächsten Artikel begleitet ihr mich zum

  • Wat Pra Mahatal mit den kopflosen Buddha-Statuen und dem wohl bekanntesten und meistfotografiertesten Buddha-Kopf der Welt
  • Wat Phra Si Sanphet, der als der größte und schönste Tempel in Ayutthaya galt. Besonders die drei in den 50ern neu errichteten Chedis lassen den Besuchern den Atem stocken, auch auf Satellitenbildern.
  • Wihan Phra Mongkhon Bophit, welcher unzählige mit Blattgold bedeckte Statuen beherbergt
  • und natürlich zum viel-bepriesene Sommerpalast.

Einen kleinen Vorgeschmack bekommt ihr mit dieser Kurzreportage. Ein Fundstück aus den Siebzigern, das ich euch nicht vorenthalten möchte. Film ab!

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Kategorie: Postkarten, Thailand

von

Eine 29-jährige Reisewütige mit der Leidenschaft für schöne Fotografie und dem Ziel, andere Leute für fremde Kulturen und exotische Länder zu begeistern.

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