Griechenland, Postkarten
Schreibe einen Kommentar

Ein Tag in Kissamos

Mávros Mólos Beach Kissamos

Folgt ihr aus Rethymno kommend der Nationalroad bis zu ihrem Ende erreicht ihr die Kleinstadt Kissamos (auch „Kastelli“). Es ist das Zentrum des in der Region besonders intensiv betriebenen Wein- und Olivenanbaus. Die Stadt liegt am nordwestlichen Zipfel Kretas und bietet sich als Startpunkt für einen Roadtrip entlang der Westküste Kretas an. Was sie sonst noch zu bieten hat und welche Plätze ihr euch anschauen könnt, erzähl ich euch jetzt!

Die Ankunft in Kissamos

Auch wenn das Stadtbild am Tag kein schönes ist, bietet Kissamos doch zumindest alles, was man braucht. Hochqualitative Bäckereien und Chocolatiers, diverse Handyshops, große Supermärkte, wunderschöne Strandabschnitte, liebevoll eingerichtete Hotels und gut besuchte Tavernas. Dabei sollte man beachten, dass manche Läden am Nachmittag eine Art Siesta einlegen und dafür am Abend bis rund 22:00 Uhr geöffnet haben.

Da George und ich die Insel ohne feste Route erkundeten, erfuhren wir von Kissamos durch unsere Host-Mum Angelika in Chania. Sie legte uns die Westküste der Insel, insbesondere Elafonisi im Süden, wärmstens ans Herz. Wir erreichten die Stadt am Nachmittag, nahmen die erste Straße zum Meer und parkten das Auto an einem kleinen Bolzplatz. Das Gras reckte sich spröde und gelb gen Himmel und die Luft war drückend heiß. Während wir das Auto im Schatten stehen ließen und hoffnungsvoll zum leeren Strand hinübergingen, blies uns warme Wind die Haare aus dem Gesicht.

Wir passierten einen kleinen Kiosk, ein kleiner Bauwagen, vor dem sich eine Gruppe Rentner versammelt hatte und sich mit kleinen Schnäppsen in der Hand zuprostete. Neugierig beobachteten sie uns aus ihren Augenwinkeln, als wir zielstrebig auf den langgezogenen Strand zusteuerten. Der Anblick von Touristen war in diesen Tagen eher selten, da im November die Hauptsaison längst vorüber war. Davon zeugten auch die Fensterläden der umliegenden Hotels, die fest verschlossen waren und die Hinterlassenschaften der Besucher am Strand, der sich wild und dreckig vor uns erstreckte.

Wir Touristen und die Rechnung

Unser Magen knurrte und wir gingen zurück zum Kiosk. Die anfängliche Skepsis der Besitzerin war schnell verflogen, als wir begannen, von unseren vergangenen Stationen auf Kreta zu berichten und von der Landschaft zu schwärmen. Sie und ihr Mann betrieben den kleinen Imbiss schon seit Jahren und gaben freundlich, aber mit lachenden Augen zu, dass sie so blasse Touristen zu dieser Zeit selten sahen. Der Opa grinste schelmisch und lud uns ein, uns zu der kleinen Gruppe im Schatten der Bäume zu gesellen.

Kaum saßen wir, wurden uns kleine Schnapsgläser vorgesetzt und mit etwas Selbstgebrandten gefüllt. Widerspruch zwecklos, schon allein wegen der schwierigen Kommunikation, da die meisten in der Gruppe nur einige Brocken englisch sprachen. „Yamas!“ riefen wir und prosteten uns zu, warfen den Kopf in den Nacken und ließen den Schnaps den Hals runterlaufen. Er brannte wie Feuer. Glücklicherweise brachte uns seine Frau kurz darauf die selbstgemachten Käse-Sandwiches, die wir gierig verschlangen und mit Cola hinunterspühlten. Dem alten Herrn schienen wir zu gefallen. Er ging in den Imbisswagen und kam mit verschiedenen Spezialitäten wieder, salzige Fleischstücke und Oliven. Wir probierten das Dargebotene, ohne zu wissen, dass diese genau wie die unaufgefordert eingeschenkten Schnäppse später auf unserer Quittung stehen würden (#travelfunfact: In Griechenland gibt es nichts geschenkt ;D ). Nach einer guten Stunde verabschiedeten wir uns von der Runde und machten uns auf nach Balos Beach, von dem die Alten so geschwärmt hatten.

Balos Beach – Ein Abstecher in die Piratenbucht

Panorama of Balos Beach by © Happy Travel Souls

Panorama of Balos Beach by © Happy Travel Souls

Sie versprachen nicht zu viel von der traumhaften „Piratenbucht“ mit dem Balos Beach an der Nordwestküste der Halbinsel Gramvousas, die am nordwestlichsten Zipfel der griechischen Insel trohnte. Während der Sommermonate werden die Touristen zentnerweise mit Schiffen an dessen Ufer gespült. In der Nebensison führt nur eine raue Offroad-Straße zur Bergspitze, die einen grandiosen Ausblick über den Strand bietet. Wenn ihr im Urlaub nach Kreta fahrt, plant diesen Flecken Erde ganz fest auf eurer Reise ein. Die Pension am Mavros Beach bietet dafür die beste Ausgangsposition (und ist ja nicht von ungefähr eine der Topadressen für entspannende Yoga-Reisende).

Begleite uns auf dem Ausflug zum unfassbar schönen Balos Beach 

Die vielen Strände Kissamos

Die Stadt Kissamos erstreckt sich in ihrer gesamten Länge am Strand entlang und kann unzählige Strände ihr eigenen nennen: Mesogios, Korfalonas, Telonio, Livadia und noch mehr. Um dem Trubel am Tag zu entgehen, ist der Mávros Mólos Beach allerdings die beste Adresse, um die Seele baumeln zu lassen. Der schöne Strandabschnitt bietet einen tollen Blick auf die Bucht von Kissamos,  die durch die Halbinsel Gramvousa und im Osten durch die Halbinsel Rodopou begrenzt wird, und während die Inselbewohner während der Nebensaison Oliven ernten und ihre Pensionen reparieren, teilt man sich die Aussicht lediglich mit einer handvoll Griechen im betagten Alter.

Mávros Mólos Beach in Kissamos Crete

Mávros Mólos Beach

Die Suche nach einer Unterkunft

Mein Reisepartner, der Engländer George aus Dover, und ich hatten uns vorab nicht um eine Unterkunft gekümmert, da wir den Verlauf unserer Reise nicht festgelegt hatten. Durch Zufall traf ich in einer verlockend duftenden Baklava- und Schokoladenboutique auf ein junges deutsches Ehepaar, Tom und Julia, mit Baby Marko. Schon seit Jahren verbrachten die Beiden ihren Urlaub auf der Insel und waren super in der Stadt vernetzt.

Mávros Mólos Beach

Mávros Mólos Beach

Als ich Ihnen von unserer Lage erzählte, hatten sie sofort eine tolle Adresse direkt am bezaubernden Mavros Molos Beach, zu dem Tom uns freundlicherweise auf seinem Rennrad führte, der kleine Marko in einem BabyBackpack auf dem Rücken. Wir folgten ihnen mit dem Mietwagen und versuchten, das Auto heil durch die wuselige Stadt zu leiten. Baby Marko wippte auf dem Rücken seines Vaters fröhlich mit den kleinen Ärmchen auf und ab. Vorbei am Carrefour erreichten wir das Hotel.

Die Besitzerin der Pension empfing Tom herzlich und freute sich über den Besuch, betütelte Baby Marko und begrüßte auch uns sehr freundlich. Eigentlich war das Hotel über die Nebensaison wegen Umbauarbeiten geschlossen, jedoch bekamen wir dank unseres Kontakts jeder ein Doppelzimmer für je 30,00 €. Martha entschuldigte sich für das (nicht vorhandene) Chaos und versprach uns, die Zimmer in einer Stunde bezugsfähig zu machen. Wir verabschiedeten uns von unserem freundlichen Helfer, der Julia und einen Freund im kleinen Supermarkt im Zentrum der Stadt treffen wollte. Ich wollte mir eine griechische Simkarte besorgen, daher fuhren George und ich zum Vodafoneladen und danach zum großen Carrefour, während Martha die Zimmer richtete, bis sie es uns zufrieden übergeben mochte.

Eine Odysee durch das nächtliche Kissamos

Als wir aus dem Handyladen zurück auf die Straße traten, trafen wir plötzlich auf die aufgelöste Julia, die mit einem Bekannten die Kleinstadt abfuhr. Sie fragte uns, ob wir wüssten, wo der Rest ihrer kleinen Familie sei, was wir verneinen mussten. Im kleinen Supermarkt waren die beiden also nicht angekommen. Julia fing an zu weinen und während ihr Bekannter sie tröstete, ratterte es in meinem Kopf. „Kommt, wir fahren mit dem Auto alles ab. Können sie nach Hause gefahren sein?“ Julia schluchzte und meinte, da hätten sie schon alles abgefahren, sie hätten längst da sein sollen. Wir setzten uns in den kleinen Mietwagen und fuhren im Schrittempo jede noch so kleine Querstraße ab. Julia saß neben mir auf dem Beifahrersitz und weinte.

Immer wieder rief sie das Handy ihres Mannes an, welches unbeantwortet blieb. Dann besprach sie sich mit den Freunden, die im gemeinsamen Ferienhaus kurz außerhalb des hektischen Zentrums auf die Rückkehr warteten. Auch Martha hatte nichts gesehen und sich in den umliegenden Krankenhäusern – glücklicherweise ohne Erfolg – nach Unfallopfern informiert. „Sollen wir noch einmal bei euch Zuhause schauen, einen anderen Weg fahren?“ schlug ich vor, doch die verzweifelte Mutter schüttelte nur den Kopf. Nach einer Stunde, der längsten meines Lebens, klingelte plötzlich das Handy und Tom meldete sich.

Alle im Auto atmeten hörbar aus, während sich bei jedem Einzelnen von uns der eisige Klotz im Magen auflöste. Wir trafen uns alle in der Pension am Mavros Molos, wo Tom und Martha bei selbstgebrannten Ouzo zusammensaßen. Später erzählte Tom, dass Baby Marko das Quengeln angefangen hatte, kaum dass sie vom Hof der Apartment-Anlage Marthas gefahren waren. Daher sei er vom Fahrrad abgestiegen und hatte seinen Sohn im Arm zu Fuß nach Hause getragen. Die Hauptstraßen mit den Kamikaze-Fahrern hatte er wohlüberlegt vermieden. Somit hatte es natürlich erheblich länger gedauert als auf dem Fahrrad. Erst in der Ferienwohnung hatte er von der Aufregung erfahren, die sein Verschwinden ausgelöst hatte. Was für ein Abenteuer!

Griechischer Salat am Platia Kastelliou

Wir ließen die Freunde etwas Zeit für sich und gingen zum Abendessen zu Fuß zum Platia Kastelliou („Platia Tzanakaki“). Auf den großen Schrecken ließen wir es uns in einer gut besuchten Taverna bei leckerem griechischen Salat und anderen Spezialitäten gut gehen.

Greek Salat at Platia Kastelliou Kissamos Crete

Super leckerer griechischer Salat mit dem leckersten Feta der Insel

Tagsüber musste man stark auf die Autofahrer Acht geben, die voll beladen mit Olivensäcken und Arbeitern durch die Stadt rasten. Am Abend jedoch konnte man das junge und lebendige Stadtbild am Platz genießen. Als Nachtisch empfehle ich übrigens wärmstens kleine Leckereien aus den Schokoladenläden an der Haupstraße oder das Blätterteig-Gebäck Baklava.

Kissamos Chocolates and Baklava © Happy Travel Souls

Kissamos: Schokoladenspezialitäten und Baklava © Happy Travel Souls

Schon bald holte uns die Anstrengung des Tages ein und wir machten uns auf den Weg zurück. Das Hotel lag ruhig am Meer. Begleitet vom Rauschen der Wellen und ohne viele Worte verabschiedeten wir uns hundemüde auf unsere Zimmer.

Hätten wir mehr Zeit gehabt, hätte ich durchaus eine weitere Nacht im Hotel dazugebucht und in aller Ruhe die Umgebung erkundet. Gleich morgens zum Balos Beach und am Nachmittag weiter nach Phalasarna, der ein wenig südlicher liegt. Abends hätte man den Sonnenuntergang von der Hotelterrasse aus genießen können, während die rot-getiegerte Katze des Hotels sich an die Beine schmiegt.

Zeit war für George jedoch ein kostbares Gut, der nach 11 Tagen zurück nach Dover fliegen und seinen neuen Job antreten musste. Für den darauffolgenden Tag planten wir daher eine Tour in den Süden der Insel. Zum Strand von Elafonisi – Hier entlang bitte.

 

sharing is caringShare on FacebookShare on Google+Tweet about this on TwitterShare on TumblrPin on PinterestShare on RedditShare on StumbleUponShare on VKDigg thisShare on LinkedInEmail this to someone

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *