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Thema Festbrennweite und warum jeder eine besitzen sollte

Festbrennweite lens no zoom bukeh

Die meisten Reisenden bevorzugen unterwegs die Bequemlichkeit von Zoomobjektiven, mit denen sich die Brennweite anders als bei der Festbrennweite optimal oder zumindest vorteilhaft auf Situationen einstellen lässt. Warum ich dennoch seit Jahren ein großer und treuer Fan von Festbrennweiten bin, möchte ich dir in diesem Artikel erzählen.

Eine Festbrennweite auf Reisen

Viele sehen in der Festbrennweite in erster Linie den Nachteil, dass sie – wie der Name bereits vermuten lässt – auf eine bestimmte Brennweite festgelegt sind. Ihr möchtet unbemerkt Menschen in Ihrer Umgebung festhalten? Zum Beispiel den Schatten des jungen Paares, das sich verliebt vor dem Trevi-Brunnen in Rom küsst? Oder den entspannten Gesichtsausdruck eines Obstverkäufers, der an der kurvigen Küstenstraße in Westkreta vor seinem Orangenstand döst? In solchen Situationen ist ein Teleobjektiv natürlich Gold wert! (Pssst… Fotorechte!). In anderen Situationen wiederum genießt ihr eine malerische Landschaft auf einem Limestone-Felsen an der Küste Krabis und schaut auf die unwirkliche Landschaft, die sich vor euren Augen gen Horizont erstreckt. Ein weitwinkliges Objektiv wird diesen Anblick optimal einfangen und für die Ewigkeit ablichten.

Kirschblütenzeit in Hamburg 2014 | © HappyTravelSouls | cherry blossom

Kirschblütenzeit in Hamburg 2014 | © HappyTravelSouls

Die festen Brennweiten meines 35er oder 85er an der A7ii oder des 50er an der A57 zwingen mich dazu, mich zu bewegen, um den gewünschten Bildausschnitt zu erhalten. Zeitgleich muss ich Szenen anders betrachten. Ich kann nicht ranzoomen; wie kann ich die Situation anders festhalten? Das Thema Bildgestaltung rückt mit einer Festbrennweite also viel stärker in den Fokus und nimmt auf eigentümlicherweise den Druck, wenn man unterwegs ist. Alle „hätte“, „könnte“, „würde“ werden unwichtig. Die Angst einen Moment zu verpassen ist weniger stark ausgeprägt, weil man sich ohnehin anders auf die Situation einstellen müsste als mit einem Zoom-Objektiv. Was nicht geht, geht eben nicht. Stattdessen hält man andere schöne, individuelle Details fest.

4 Gründe eine Festbrennweite auf Reisen mitzunehmen

1. Festbrennweiten sind unglaublich lichtstark!

Festbrennweiten haben oftmals eine hohe Lichtstärke von 2.8, 1.8 oder sogar 1.4. Diese Zahlen bedeuten grob gesagt, dass die Blende – also das schwarze Loch in eurem Objektiv – unheimlich weit geöffnet werden kann. Dies hat zur Folge, dass ganz viel Licht auf den Sensor eurer Kamera gelangt und man so auch Freihand am Abend, an bewölkten Tagen oder in Räumen schöne und scharfe Fotos machen kann, ohne den ISO-Wert zu stark auszureizen. Dabei wird das fokussierte Objekt knackenscharf, während gleichzeitig der Hintergrund mit einem tollen Bokeh verschwimmt. Zoomobjektive, zumindest im bezahlbaren Bereich, beginnen meistens mit einer Blendenöffnung von f/3.5. Eine größere Blendenzahl führt zu einer kleineren Blendenöffnung und somit zu weniger Licht auf dem Sensor (aka.: dunkel).

Dieses Manko kann meistens nur mithilfe einer Langzeitbelichtung in Kombination mit einem Stativ gelöst werden, um zumindest eine schöne Schärfe und optimale Ausleuchtung des Bildes zu garantieren. Bewegungen werden dann allerdings unscharf und verschwommen. Eine zweite Alternative wäre die Erhöhung des ISO-Wertes, allerdings beginnt das Rauschen bei APC-Sensoren bereits in relativ niedrigen ISO-Bereichen an und verwandelt eure Fotos schnell in unschöne Flickenteppiche.

Helsinki Stone Church August 2014 | Ein Tag mit Festbrennweite

Helsinki August 2014 | Ein Tag mit Festbrennweite mit der A57 | Felsenkirche

2. Festbrennweiten zwingen den Fotografen, sich zu bewegen und mit Menschen zu interagieren!

Wer mit einer Festbrennweite unterwegs ist, kann sich nicht hinter seinem Zoom-Objektiv verstecken. Man muss aktiv sein, den Bildausschnitt mithilfe von Bewegung finden, anstatt angewurzelt an Ort und stelle am Zoomring herumzudrehen. Man fängt an mit der Umgebung und den Menschen zu interagieren. Beispielsweise wurde ich in Marokko auf dem Markt aktiv von Leuten angesprochen, ob ich nicht auch ein Foto von Ihnen machen würde statt nur von ihren dargebotenen Waren. Sie hatten mir zugesehen, während ich mich auf dem Boden verrenkt habe, um den einen Schuss hinzukriegen. Sie fanden mich lustig, verloren den Argwohn und sprachen mich an. Im Übrigen machen Festbrennweiten aufgrund der geringen Schiefentärfe bei weit geöffneter Blende die schönsten Portraits!  Die Marokkaner sind in der Regel aufgrund ihres Glaubens jedoch eher fotoscheu, insbesondere die älteren Menschen. In solchen Momenten können Festbrennweiten ebenfalls ihren vollen Zauber entfalten.

Chefchaouen in Morocco

Eines meiner Lieblingsbilder | Essaouira Marokko | © Happy Travel Souls

3. Festbrennweiten sind oftmals günstiger als annehmbare Zoom-Objektive im gleichen bezahlbaren Preissegment!

Aufgrund Ihrer unschlagbaren großen Blendenöffnungen sind Festbrennweiten vielen Zoom-Objektiven in den gleichen oder nächsthöheren Preisklassen im Portraitbereich und bei schwachen Lichtsituationen überlegen. Ein Standard-Kit wartet vielleicht mit einem 28-55mm f3.5 auf. Die maximale Blendenöffnung ist somit um einiges enger im Vergleich zum 50mm f1.8. Das 50er für A-Mount gibt es bereits für ca 150,00 €.  Auf der Suche nach einem guten „immerdrauf“ Zoomobjektiv mit entsprechend großer Blende hatte ich mich damals für das 17-50mm f2.8 Standard von Tamron entscheiden und mehr als das Doppelte hingelegt. Man hat dann natürlich auf verschiedene Brennweiten auf einen Schlag, aber noch immer eine kleinere maximale Blende als bei der günstigeren und qualitativ hochwertigen Festbrennweite. Das man auch bei Festbrennweiten, insbesondere im Vollformatbereich, noch Spiel nach oben hat, steht außer Frage. Allerdings muss man sich die Frage stellen, was man für Ansprüche stellt und ob es notwendig ist, mehr Geld auszugeben.

Ostsee August 2014 | Ein Tag mit Festbrennweite

Ostsee August 2014 | Ein Tag mit Festbrennweite | Dämmerung

4. Standard-Festbrennweiten sind klein, leicht und kompakt!

Im Vergleich zu Zoomobjektiven, die gerne schon mal ein halbes Kilo oder mehr auf die Waage bringen, sind 35mm oder 50mm wahre Leichtgewichte. Wenn ich einen Tag lang die Kamera mit dem Tamron umgeschnallt hatte, habe ich dies am Abend deutlich gemerkt. Die Festbrennweite wiegt weniger als die Hälfte vom Zoom-Objektiv. Das macht sich natürlich nach stundenlangen Erkundungstouren bemerkbar.

Helsinki August 2014 | Ein Tag mit Festbrennweite

Helsinki August 2014 | Ein Tag mit Festbrennweite

Hört sich alles super an! Aber welche Festbrennweite darf es denn nun sein?

Ich bin weder gelernter Fotografiemeister noch habe ich Fotografie studiert. Mein Wissen beläuft sich auf meine jahrelange Erfahrung und mein unstillbares Interesse zu dem Thema und ich teile dieses Wissen gern mit dir. Und dein Vertrauen ist mir wichtig: Ich empfehle grundsätzlich nur Dinge, die ich selbst getestet habe und von denen ich selbst überzeugt bin. Teils verlinke ich diese in meinen Beiträgen über sogenannte Affiliate-Links, auch in diesem Post. Für dich entstehen mit dem Klick auf diese Links keinerlei Nachteile oder Mehrkosten. Vielmehr unterstützt du mich und gibst mir die Möglichkeit, diesen Blog weiterhin mit der Intensität betreiben und dich weiterhin mit Reisetipps und -berichten versorgen zu können wie bisher, da ich mit deinem Klick eine kleine Provision erhalte, falls du über diese Links etwas kaufst. Ganz lieben Dank dafür, Rieke | Happy Travel Souls.

Nachdem ich meine Canon 30D vor Jahren als SecondHand Model gekauft hatte, war ich sofort Feuer und Flamme. Ich fotografierte gerne auf Reisen, sowohl die Natur als auch Menschen und so war der Kauf einer Standard-Festbrennweite der nächst logische Schritt. Und was soll ich sagen: Das 50mm 1.8er Objektiv sowohl von Canon als auch von Sony kann ich euch wirklich wärmstens für den Anfang empfehlen! Mit unter 200,00 € macht ihr einen super Deal, den ihr sicher nicht bereuen werdet. Alternativ gibt es auch das 35mm, welches euch einen tollen Bildausschnitt für engere Räume bietet, da es etwas weitwinkliger ist. Preislich unterscheidet es sich auch nicht zu sehr vom 50er.

In der analogen Fotografie sind 50mm der typische Standardbereich der Fotografie, hier stellt sich der dem menschlichen Auge am ehesten entsprechende Bildausschnitt ein. An einer modernen Crop-DSLR (Faktor 1.6) entsprechen 50mm durch den kleinen Sensor einem Bildausschnitt von 80mm, 28mm entsprechen 45mm, 35mm entsprechen 56mm Bildauschnitt. Die beiden letzteren entsprechen also eher dem klassischen Fotografie-Standard.

50mm Festbrennweite APSC | Happy Travel Souls

50mm Festbrennweite APSC | Happy Travel Souls

Und beim Vollformat?

Die Preise von Vollformat-Objektiven gestalten sich natürlich etwas anders. Für mein Sony SEL35F28Z habe ich bei Calumet über 600 € auf den Tresen geblättert, also schon eine ganz andere Hausnummer. Für eine größere Blendenöffnung hätte es mich satte 1.500,00 € gekostet – Ja, für ein Objektiv! Ziemlich heftig und keinesfalls rentabel, wenn man mit einem Rucksack um die Welt reist.

35mm Festbrennweite Vollformat | Happy Travel Souls

35mm Festbrennweite Vollformat | Happy Travel Souls

Hier möchte ich doch noch mal betonen, dass mich meine alte Lady, die Sony A57 mit dem Sony 50er f1.8 und dem Tamron 24-70er f2.8 unglaublich happy gemacht hat. Und das mehrere Jahre lang! Aufgrund meiner Arbeit als Hochzeitsfotografin war der Umstieg auf Vollformat aber der nächst logische Schritt und ein großer Traum von mir. Allen Reisenden kann ich aber sagen: Wenn ihr eure Fotografien für euch, euren Blog oder evtl. Stock-Börsen schießt und sie weniger in Hochglanzmagazinen und in der Außenwerbung präsentieren wollt, seid ihr mit normalen DSLRs sehr gut ausgestattet. Meine Sony A57 hat grandiose Fotos abgeliefert, insbesondere in Kombination mit den erwähnten Objektiven. Ein geschulter, kreativer Blick und lichtstarke Objektive sind meiner Meinung nach schon die halbe Miete für ansprechende Fotos.

Reist ihr mit Festbrennweiten um die Welt? Wie ist eure Erfahrung?

Lest hier, wie sich mein Kamera-Equipment über die Jahre entwickelt hat!

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