Tipps für bessere Reisefotos
Schreibe einen Kommentar

Wie deine Reisefotos durch einen korrekten Weißabgleich schöner werden

White Balance Weißabgleich

Ah – was für ein Tag! Erschöpft sinkst du auf dein Bett im Hostel, nachdem du stundenlang deine Umgebung erkundet und schöne Momente festgehalten hast. Während dein PC hochfährt, kramst du in deinem Rucksack nach den frischen Datteln, die du auf dem Markt für ein Bruchteil dessen erworben hast, was du in Deutschland für das halbe Kilo gezahlt hättest. Du erzählst deinen Mitbewohnern von der abgeschiedenen Aussichtsplattform, die du durch Zufall auf deiner Wanderung entdeckt hast, während du parallel die vollbepackte SD-Karte in den Slot am Laptop steckst. Mit einem Klick öffnest du den Ordner und lässt den Tag Revue passieren. Du bist zufrieden mit der Ausbeute, doch ab und zu fällt dir auf, dass das ein oder andere Foto viel zu gelb, andere Bilder wiederum viel zu blaustichig sind. Aber warum ist das so und woran liegt das eigentlich? Das Zauberwort lautet: Weißabgleich!

Weiß-was? Weißabgleich?

Ohne zu theoretisch werden zu wollen, versuche ich es kurz zu erklären. Eure Kamera wird während eurer Reise den jeweiligen Weißabgleich in den meisten Fällen sehr gut identifizieren und sich entsprechend auf die Lichtverhältnisse einstellen können. Jedoch wird es Situationen geben, wie beispielsweise bei mir in der Kirche von Veliko Tarnovo in Bulgarien, in der sich verschiedene Lichtquelle kreuzen und Mischlicht generieren.

Das menschliche Gehirn macht automatisch einen Weißabgleich (Chromatische Adaption). Unsere Kameras können dies nicht. Wir wissen zum Beispiel, dass das Buch, welches wir lesen, auf weißen Seiten gedruckt ist. Daher erscheinen uns die Seiten auch dann weiß, wenn wir abends im Bett bei einer gelblich-leuchtenden Glühlampe (2800K) liegen. Die Kamera benötigt hierfür einen Referenzpunkt, eine neutrale Graufläche. Ist diese nicht zu finden, zum Beispiel im Wald, orientiert sich die Kamera an dem hellsten Punkt, der im unschönsten Fall einen grünlichen Stich aufweist. Unsere Augen stellen sich innerhalb weniger Milisekunden auf dieses Mischlicht ein. Unsere Kamera braucht allerdings etwas Hilfe. Entweder vor Ort – oder nachträglich am PC.

Was ist der Weißabgleich und was macht er genau?

Der Weißabgleich sorgt dafür, dass sich die Kamera auf die Farbtemperatur am Aufnahmeort einstellt, da beim Licht nicht nur die Helligkeit, sondern eben auch die Farbtemperatur variiert. Als Beispiel stell dir vor, du stehst hoch oben auf einer Klippe und betrachtest das Meer an einem wolkig-stürmischen Tag. Leichter Niesel setzt ein, alles zeigt sich grau in grau und das Meer tost in stählernen Farben mehrere Meter unter dir. Zum Abend hin klart jedoch der Himmel auf und du erlebst einen wunderschönen Sonnenuntergang an der gleichen Stelle, während die letzten Sonnenstrahlen alles um dich herum in warmes Licht tauchen. Habst du die Situationen im Kopf? Super! Dann wird es dich nicht überraschen, wenn ich dir erzähle, dass Helligkeit und Farbtemperatur beider Situationen grundverschieden sind. Aber wie genau kommt das?

Ein kurzer und kompakter Grundkurs in Sachen Physik für alle Interessierten

Unser Licht ist physikalisch betrachtet elektromagnetische Strahlung mit einem bestimmten Wellenlängenbereich. Kürzere Wellenlängen haben einen hohen Blauanteil, während lange Wellenlängen für den Rotanteil verantwortlich sind. Weißes Licht ist also eine Zusammensetzung verschiedener Wellenlängen und ist das Ziel eines optimalen Weißabgleichs.

Wenn ihr in eurem Kameramenü den Punkt Weißabgleich öffnet, werdet ihr sehen, dass eure Kamera vermutlich im Automatik-Weißabgleich („AWB“ = Automatic White Balance) eingestellt ist. Im Großen und Ganzen funktioniert der automatische Weißabgleich der Kamera in Standartsituationen sehr zuverlässig, vor allem, wenn ihr draußen fotografiert. Sobald es jedoch Mischlicht gibt (z.B. in Museen wo es verschiedene Lichtquellen gibt) oder schwierige Lichtverhältnisse gibt, kann es zum Farbstich kommen. Für solche Situationen bieten einige Kameras die Möglichkeit an, die Farbtemperatur anhand eines konkreten Wertes einzustellen.

Farbtemperaturen werden in Kelvin gemessen (K) und für diese Methode ist es gut zu wissen, welche Farbtemperatur in welcher Lichtsituation vorherrscht. Je höher der Blauanteil umso höher auch die Farbtemperatur. Während Nebel einen hohen Anteil an kurzen Wellenlängen ausweist (7500 – 8500 K, grau-blau), liegt der K-Anteil zum Sonnenaufgang bei lediglich 5000K. Wenn die einzige Lichtquelle eine Kerze ist, weist die Farbtemperatur sogar nur einen Wert von 1500K auf (gelblich, warm). Auf eben diese Situationen kann man mit den übrigen voreingestellte Weißabgleichen reagieren, die nach unterschiedlichen Lichtsituationen differenziert sind. Es gibt Tageslicht, Bewölkt, Schatten, verschiedene Leuchtstoffe, usw.

So korrigiert ihr den Weißabgleich manuell vor Ort

Wenn ihr merkt, dass das Bild einen Farbstich aufweist, könnt ihr euren Weißabgleich manuell festlegen. Dies bedarf allerdings ein wenig Übung, da der Sprung um 100 K nicht explizit sichtbar ist. Sollte eure Kamera dies nicht ermöglichen oder wollt ihr die Bearbeitung des Weißabgleichs in die Fotobearbeitung verlegen, kann man mithilfe von Graukarten, die ihr neben das Objekt legt, oder einem handlichen SpyderCube ein Referenzobjekt im Bild positioniert werden, auf das sich eure Bildbearbeitungssoftware später beziehen kann. Zudem besteht die Möglichkeit, mit einer ExpoDisc das Licht, welches auf ein Objekt fällt, detailgetreu einzufangen.

Dies ist natürlich kein Muss und ich kann verstehen, wenn man unterwegs nicht unbedingt erst zum Objekt laufen möchte, um eine Graukarte zu platzieren. Die muss man nach dem ersten Bild dann ja wieder wegnehmen. Ich stelle mir grad vor, wie Leute anfangen, zu einem Buddhistischen Mönch zu laufen, ihm eine Graukarte in die Hand drücken, zurück zum Fotopunkt laufen und auf den Auslöser drücken. Für alle, die mit diesem Gedanken spielen: Don’t do this 😀 Das ist natürlich Schwachsinn und mache ich auch nicht. Aber es gibt Situationen, wie in einer leeren Kirche zum Beispiel, in der man ein Hilfsmittel platzieren könnte, ohne einen Moment zu verpassen oder andere Leute zu stören.

Und so korrigiert ihr den Weißabgleich am Laptop

Wenn ihr eurer Bilder im Nachhinein von Farbstichen befreien wollte, bietet sich die Weißabgleichskorrektur in einem Bildbearbeitungsprogramm wie Lightroom oder Photoshop an. Gibt es für mittlerweile für 12,00€ im Monat in der Cloud. Alternativ kann man den Weißabgleich auch in kostenlosen Programmen wie Gimp vornehmen. Optimalerweise befindet sich in einem Referenzbild eine neutrale Graufläche (oder eine Graukarte…oder ein Spydercube), auf der ihr den Weißabgleich für diese Situation abstimmen könnt. Ist dies nicht der Fall, bieten die Programme verschiedene Möglichkeiten an einen neutralen Graupunkt zu bestimmen:

  • Aus einer Vorauswahl von Weißabgleichen in Lightroom wählen (Automatisch, Tageslicht, Bewölkt, etc.),
  • mithilfe einer Pipette ein Grauspektrum festlegen oder
  • die Temperatur und Tönung anhand von Reglern manuell steuern. Da braucht es meiner Meinung nach aber schon ein geschultes Auge und einen perfekt kalibrierten Bildschirm.

Das Video von Video2brain befasst sich mit dem Thema „Weeeeeeißabgleeeeeich“ 😉 und zeigt in Lightroom beispielhaft, wie man den Weißabgleich im Nachhinein anpassen kann. Schönes Video und sehr gut erklärt.

Ihr habt Fragen zum Thema oder Anmerkungen zum Artikel? Lasst es mich wissen in den Kommentaren!

sharing is caringShare on FacebookShare on Google+Tweet about this on TwitterShare on TumblrPin on PinterestShare on RedditShare on StumbleUponShare on VKDigg thisShare on LinkedInEmail this to someone

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *